Hundert Tage
Nun wusste ich, was zu tun war. Dass der Leib es trägt, dessen war ich sicher, denn der Leib ist formbar, wenn man ihm eine Ordnung gibt. Ob ich es halte, das musste ich erkunden.
Drei Dinge sind vonnöten, so scheint es mir: der Vorsatz, das Exempel und das Achthaben.
Den Vorsatz habe ich gefasst, als es wieder an die Tür klopfte. Und es würde wieder klopfen, wenn ich nachliesse.
Das Exempel ist mir gegeben. Es ist der Kämpfer Gautama, der sein Grauen im Wald bezwang, indem er blieb, wie er war und wo er war, als es ihn überkam, und es dort besiegte, wo es ihn traf. Keinen Fussbreit! Aus diesem Grund verharre ich, wie ich bin und wo ich bin, wenn die Glocke ertönt, bis sie endet. Ich spüre dann, wie er spürte.
Das Achthaben ist vonnöten, wenn das Ziehen einsetzt: sich nach dem Beginn oder Ende des Läutens sehnen, etwas anderes tun wollen, als die Ordnung sagt. Erkennen, was geschieht, und nicht nachgeben.
Und so will ich mir hundert Tage geben, nach diesen Glockenschlägen zu leben, die da vom nahen Kloster am Fluss herüber wehen.
Er kann dem folgen, wenn Er will. Er kann sehen, was ich tue. Er kann es sogar mit mir halten, nach Seiner Ordnung, aber nach den Glocken. Es gibt hier an der Klause einen Anschlag, der Ihm das zeigt. Zu Seiner Stunde, an Seinem Ort.
Am einundzwanzigsten Tag des Scheidings werde ich beginnen. An jedem Tag werde ich eine Kerbe ins Holz schneiden. Es endet mit der hundertsten Kerbe am neunundzwanzigsten Tag des Julmonds.
Dann werde ich wissen, ob es trägt. Bis dahin werde ich schweigen.